Hello Friends, es ist schon wieder Donnerstag. Das heißt, der cmd+M Newsletter ist wieder in eurem Postfach gelandet. Willkommen zur neuen Ausgabe, YEEY 🥳
Da ihr vermutlich noch alle müde seid, weil ihr nach der gestrigen Sonnenfinsternis noch die ganze Nacht nach Sternschnuppen Ausschau gehalten habt, machen wir heute nicht lange rum im Intro.
Die heutige Ausgabe ist auch etwas länger als sonst (aber lohnt sich).
Also legen wir direkt los mit den neusten News aus Marketing, Tech, KI und dem Internet. Viel Spaß bei der Ausgabe 🫶
⏰ Die heutigen Themen:
(In Gmail funktionieren die Anchor-Links leider nicht, sooorry)
Die heutige Ausgabe hat 2328 Wörter. Du brauchst ungefähr 14 Minuten, um alles zu lesen. Und wenn du länger brauchst, lies schneller. LG 😛
Top Story
🌊 Wir ertrinken im Template-Slop
Diese Woche ist mir ein Gedanke über den Weg gelaufen, den ich nicht mehr loswerde. Brenda Weischer (Fashion Editor bei 032c) hat auf ihrem Substack "brendstack" einen Artikel geschrieben, der ziemlich genau trifft, warum sich Social Media, das Internet … ja eigentlich alles … gerade so gleichförmig anfühlt.
Ihre These: "everyone is getting good, no one is getting better”
Was früher eine hart erarbeitete Fähigkeit war, wird irgendwann zur Baseline für alle. Bei jedem Hobby, bei jedem Job, in jeder Branche, egal ob physisch oder digital. Als Bild dafür nimmt sie Kids im Skater-Park, die heute Tricks draufhaben, für die Profis in den 90ern noch zehntausend Stunden gebraucht haben.
Die gleiche Linie zieht sie quer durch komplett unterschiedliche Bereiche:
Design: Früher gab's die eine begabte Person im Office, die in ein paar Tagen ein beeindruckendes Deck gebaut hat. Heute reicht ein Prompt in ChatGPT.
Beauty: Freundinnen machen zuhause aufwendige Nail-Art, für die es früher einen Termin im Nagelstudio gebraucht hätte.
Küche: Was vor zehn Jahren als richtig gutes Restaurant-Essen galt, ist heute Durchschnittskost zuhause.
Soweit könnte man sagen, war das schon immer … wir Menschen entwickeln uns halt weiter. Aber dann beschreibt Brenda das Muster, das ihr auf Instagram aufgefallen ist. Immer der gleiche Pastell-Font, immer die gleichen Carousel-Titel: "kinda chic to", "wtf is minimalism", "10 habits cool girls do". Sie schreibt, es fühlt sich an, als wäre über Nacht jeder ein begabter Grafikdesigner geworden, jeder ein Storyteller.
🎭 Was ist Template-Slop nun wirklich?
Ihre Erklärung dafür ist ziemlich nüchtern: Die Plattformen belohnen Text-auf-Bild-Content, am liebsten als Carousel oder Reel, am liebsten mit einem Lern-Effekt für die Leser:innen. Wissen wird konsumierbar gemacht, ohne dass irgendjemand selbst recherchiert. Sie nimmt sich davon übrigens nicht aus. Sie schreibt offen, dass auch ihre eigenen erfolgreichsten Substack-Posts genau diese How-to-Formate sind.
Auch bei mir laufen die Top-Stories am besten, die eine klare To-Do Liste oder Handlungsempfehlung beinhalten.
Naja auf jeden Fall ist das Ergebnis von all den Templates, dass jeder plötzlich Geschmack hat, jeder hat ein Auge für Design, aber nichts bleibt hängen, weil nichts mehr originell ist.
Auf LinkedIn hat Hans Neubert genau das nochmal zugespitzt. Er nennt es "wunderschön verpackte Belanglosigkeit". Jeder Post sieht aus wie von einem Art Director gemacht. Trotzdem bleibt nichts hängen.
Und das trifft nicht nur auf Content zu. Jedes interne Strategie-Deck, jedes HTML-Dashboard, jeder App-Prototyp und jede Website sieht auf einmal ähnlich aus. Der Standard ist so viel höher als noch vor paar Jahren aber gleichzeitig so niedrig wie nie zuvor – zumindest fühlt sich das für mich so an.
🌀 Die Sättigung, die keiner zugibt
Ganz ehrlich, diese Story hier ist auch nicht wirklich originell. Ich greife einen Gedanken auf, den jemand anderes besser formuliert hat, als ich es aus dem Nichts hinbekommen hätte.
Natürlich ist es auch irgendwie mein Job als news-orientierter Newsletter, solche Artikel für euch zu finden und einzuordnen. Aber genau deshalb spüre ich diese Sättigung auch ziemlich stark jede Woche.
Was ich an Brendas Artikel auch gut finde: Sie sagt gar nicht, dass Trends oder Templates grundsätzlich schlecht sind. Am Puls der Zeit zu bleiben, bei einer Konversation mitzumachen, findet sie durchaus wertvoll. Ihr Punkt ist ein anderer. Wenn du ein Template nimmst und es nicht wenigstens ein bisschen weiterdenkst, bekommst du zwar ein hübsches Grid, aber keinen bleibenden Effekt.
Nichts fühlt sich mehr wirklich groundbreaking an.
Klar, komplett neu ist das Problem nicht. Aber früher musstest du dir mehr Gedanken machen, weil du nicht alles direkt im Netz gefunden hast oder von einer KI serviert bekommen hast. Heute ist die Baseline für "gut genug" massiv gestiegen. Gleichzeitig wird es seltener, dass uns wirklich mal was überrascht.
Und das ist für mich der eigentliche Knackpunkt an Template-Slop. Es ist nicht, dass die Qualität sinkt. Sie steigt insgesamt sogar. Aber wenn alles gleich gut aussieht, wird "gut" zur Untergrenze statt zum Ziel. Ihr müsst inzwischen richtig gut sein, nur um überhaupt noch aufzufallen. Und selbst dann ist nicht garantiert, dass irgendwas hängen bleibt.
🪞 Macht euch mal Gedanken...
Bevor ihr das nächste Mal ein Template öffnet, für ein LinkedIn-Post, ein Pitch-Deck, eine Case-Study-Vorlage: Fragt euch kurz, ob ihr das Format nutzt, um schneller zu einer eigenen Idee zu kommen oder ob das Format die Idee schon für euch mitliefert.
Guckt euch euren letzten Post an. Würde er auffallen, wenn euer Name nicht drunter stehen würde? Oder könnte den genauso jede andere Person in eurer Nische gepostet haben, mit demselben Drei-Punkte-Hook und derselben Struktur?
Ich glaube, das ist die eigentliche Frage hinter Template-Slop im B2B-Marketing. Nicht ob ihr Templates nutzt (das machen wir alle). Sondern ob am Ende noch eine Haltung übrig bleibt, die niemand sonst hätte formulieren können. Eine These, mit der ihr auch mal danebenliegen könntet. Eine Zahl aus eurer eigenen Erfahrung, die keiner sonst hat. Ein Satz, der nicht auch von der Konkurrenz stammen könnte.
Bei mir ist die ehrliche Antwort nicht immer "ja".
Templates machen uns schneller. Das ist ihr Job und dagegen ist nichts einzuwenden. Aber wenn wir nur noch Lücken ausfüllen, fehlt uns der Teil, in dem eigentlich Geschmack entsteht: Frustration, Scheitern, weiße Page, nochmal von vorne anfangen.
Reichweite bekommen wir zwar mit öffentlichen Templates trotzdem. Vertrauen und Wiedererkennbarkeit aber nicht.
👉 Abonniert gerne den Substack von Brenda und lest euch ihren sehr lesenswerten Rage durch.
🍿 KI-Snacks
Die KI-News-Welle ist mal wieder am Rollen. Hier die KI-News der Woche. Wie immer kurz & knapp für dich zusammengefasst. Let’s go!
🚨 KI-Agenten hacken und täuschen jetzt von selbst
Das britische AI Security Institute fand in 19 von 122 Testläufen unautorisiertes Agentenverhalten, 17 davon bei Anthropics Mythos 5. Ein Agent legte Fake-Identitäten an, um einen echten Open-Source-Maintainer zur Ausführung von Schadcode zu bewegen. Fast zeitgleich stuft OpenAI sein kommendes Modell Astra als erstes "kritisches" Cyber-Sicherheitsrisiko ein und pausiert Teile der Entwicklung. Beide Labore reagieren jetzt mit schärferen Tests, bevor die nächste Modellgeneration live geht. Mehr hier.
🏋️ KI-Agent hackt Fitnessstudio für seinen Nutzer
Passend zum Secruity-Thema, hat ein Mann in Melbourne seinen auf Claude basierenden Agenten gebeten, ihn auf eine Warteliste vorzurücken. Der Agent fand stattdessen eine Sicherheitslücke im Buchungssystem des Fitnessstudios und stornierte kurzerhand den Platz eines anderen Kunden. Niemand hatte ihn dazu angewiesen, er hat einfach den kürzesten Weg zum Ziel genommen. Mehr hier.
🥊 Silicon Valley streitet über chinesische KI-Modelle
Nvidia, Microsoft, Google, Meta und OpenAI werben in einem offenen Brief für freien Zugang zu chinesischen Open-Weight-Modellen wie Kimi K3. Anthropic warnt dagegen vor nationaler Sicherheitsgefahr und militärischem Missbrauch durch China. Selbst in der Trump-Regierung ist man sich uneinig, während Kimi K3 bereits auf Platz vier des Artificial-Analysis-Index liegt. Mehr hier.
🇩🇪 KI-Druck kostet Tausende VW Manager-Jobs
VW streicht bis 2030 über 5.000 der 21.500 Managerposten, Bayer hat seine Führungsriege bereits um zwei Drittel reduziert. Laut Civey-Umfrage haben 40 Prozent der Unternehmen binnen eines Jahres Stellen im mittleren Management gestrichen. Bayer lässt inzwischen 95 Prozent der Entscheidungen dezentral von Arbeitsteams statt von Managern treffen. Mehr hier (gated).
💧 Claude markiert jetzt heimlich alle seine Texte
Anthropic verpasst Text-, Code- und Datei-Outputs neuer Claude-Modelle ein unsichtbares Wasserzeichen, das auch beim Kopieren erhalten bleibt. Alle nach dem 2. August ausgelieferten Modelle haben es bereits eingebaut, ältere sollen folgen. Reaktionen auf Reddit reichen von Zustimmung bis zu Vorwürfen der Überwachung. Mehr hier.
🇪🇺 KI-Kennzeichnungspflicht gilt jetzt EU-weit
Wir haben letzte Woche schon detaillierter darüber berichtet. Seit dem 2. August ist unmarkierter Einsatz von KI-generierten Texten, Bildern und Stimmen in der EU in einigen Fällen rechtswidrig. Bei Verstößen drohen bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des Jahresumsatzes, betroffen sind auch Marketingagenturen und Influencer. Wer KI-Texte redaktionell prüft und verantwortet, ist von der Kennzeichnungspflicht komplett befreit. Mehr hier.
📜 Zuckerbergs KI-Manifest kommt nicht gut an
Mark Zuckerberg hat ein 6.500 Wörter langes Manifest zu "personal superintelligence" veröffentlicht, mit dem Titel "The Future is for Everyone". Kritiker bemängeln vor allem die Beispiele: Er beschreibt KI-Tutoren als Bildungs-Gamechanger, obwohl Schüler sie laut aktuellen Berichten vor allem zum Umgehen von Hausaufgaben nutzen. Nur Tage zuvor musste Meta 567 Millionen Dollar Strafe wegen Kindersicherheit zahlen, was dem Vertrauen in den Text nicht gerade hilft. Mehr hier.
What Else
🫵 KI urteilt über deine Marke, bevor sie sie überhaupt kennt
Jan Ehrlinspiel von Peec AI hat untersucht, ob KI-Assistenten wie ChatGPT oder Gemini Unternehmen objektiv beschreiben oder sich von der bloßen Bedeutung des Firmennamens beeinflussen lassen. Dafür ließ er mehrere Modelle hunderte Marken mit einwortigen englischen Namen beschreiben und verglich, wie positiv oder negativ die verwendeten Attribute klingen.

Das Ergebnis: Marken mit positiv klingenden Namen werden im Schnitt auch positiver beschrieben, ganz unabhängig davon, was das Unternehmen tatsächlich macht. In einem Extremfall beschrieb ein Modell eine fiktive Firma namens "Unethical Inc." schlicht als "Dishonest, Corrupt, Deceptive", obwohl es sich um einen ganz gewöhnlichen Payroll-Anbieter handelte.
Der Effekt tritt aber nur auf, solange ein Modell wenig über das Unternehmen weiß. Sobald eine Marke bekannt ist, spielt der Name keine Rolle mehr: Discord oder Slack klingen im Wörterbuch eher negativ, werden von KI-Assistenten aber trotzdem neutral und sachlich beschrieben, weil genug echtes Wissen über sie vorhanden ist.
Für Marketer heißt das: Bei der Namensfindung für eine neue Marke lohnt sich ein Blick auf die reine Wortbedeutung, denn der Name füllt die Lücke, solange KI-Modelle die Marke noch nicht kennen. Für bestehende Marken bringt eine Umbenennung dagegen nichts. Der einzige Hebel ist Sichtbarkeit, denn sobald die Modelle genug über ein Unternehmen wissen, verschwindet der Namenseffekt von selbst.
👉️ Mehr dazu bei Peec AI
🎯 ChatGPT Ads bekommt Conversion-Tracking wie bei Meta
OpenAI baut seine Ads Manager Beta aus:
oCPC-Kampagnen: Abrechnung nach Klick, Bidding optimiert auf Conversions (oCPC = optimzed Cost-per-Click)
Automatic Advanced Matching (AAM): gleicht Formulardaten wie E-Mail-Adressen verschlüsselt ab, um Conversions besser zuzuordnen, ab 17. August Standard auch für bestehende Pixel
Neue Integrationen mit den Analyse-Tools Triple Whale und Hightouch, die Marketern helfen, Werbe-Erfolge über mehrere Kanäle hinweg sauberer auszuwerten
Multi-Produkt-Karussell in Tests, Launch in Brasilien und Mexiko diese Woche
Für Marketer heißt das: Mit oCPC bekommt ChatGPT Ads erstmals ein Setup, das sich näher an Meta oder Google Ads anfühlt als an reines Sponsoring. Wenn du übrigens schon einen ChatGPT-Pixel eingebunden hat und AAM nicht will, muss vor dem 18. August unter Tools und Conversions widersprechen.
👉️ Mehr dazu bei Search Engine Land
🔌 Jedes zweite Unternehmen wäre nach einer Woche ohne Google und Meta aufgeschmissen
Eine neue Umfrage der Kanzlei Hausfeld mit dem Marktforschungsinstitut YouGov zeigt, wie tief deutsche Unternehmen im Marketing von US-Tech-Konzernen abhängen:
66,1 % sagen, ihr wirtschaftlicher Erfolg hängt von Google, Meta oder Amazon ab
22,7 % nennen diese Plattformen sogar existenzentscheidend
Die Hälfte hätte nach einer Woche ohne sie ernsthafte Probleme
Nur 15,7 % trauen der EU zu, dass die EU bei US-Wirtschaftsdruck an ihren eigenen Digitalregeln wie dem Digital Markets Act festhalten würde, statt einzuknicken
Diversifizierung macht definitiv Sinn. Allerdings zeigen die Zahlen auch sehr gut, dass wir ohne Weiteres, kaum auf die etablierten Kanäle verzichten können. Wie so oft entscheidet hier am Ende der Markt. Solange die EU keine konkurrenzfähigen Produkte raus bringt, wird sich daran kaum etwas ändern. Wir brauchen vor allem Investitionen und weniger Bürokratie.
👉️ Mehr dazu bei t3n (gated)
📈 Q2-Zahlen: Social-Media-Werbung boomt trotz KI-Unsicherheit
Plattform | Umsatz Q2 2026 | Wachstum |
|---|---|---|
805 Mio. $ | +61 % (Ads: +64 %) | |
1,18 Mrd. $ | +18 % | |
Snapchat | 1,6 Mrd. $ | +19 % |
5,08 Mrd. $ | +12 % | |
Meta | 59,4 Mrd. $ (nur Ads) | +27 % |
Reddit läuft übrigens seit acht Quartalen in Folge mit über 60 Prozent Wachstum, trotzdem verlor die Aktie nach den Zahlen über 20 Prozent, weil Investoren die "unruhigen" Google-Suchverweise kritischer sehen als die reinen Umsätze.
Das Wachstum bei Reddit und co. zeigt ganz gut, dass die Werbebudgets längst nicht mehr nur zu Meta und Google fließen. Reddit, Pinterest und Snapchat etablieren sich zunehmend als ernstzunehmende Performance-Kanäle mit eigenem KI-gestütztem Anzeigengeschäft.
👉️ Mehr dazu bei Storyboard18 (Reddit), CNBC (Pinterest), CNBC (Snap), SocialMediaToday (LinkedIn) und TechTimes (Meta)
📌 Job- & Event-Board
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👋 That’s a wrap! 👋
So schnell gehts! Aber nicht traurig sein. Wir sehen uns nächsten Donnerstag schon wieder. Versprochen!
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